18. November 2017
Das Jahr 2017
mehr...

Rasseportrait

Die Huzulenpferde, eine autochthone Rasse, stammen aus dem Gebiet der Ostkarpaten, der Huzulei, im heutigen Rumänien und der Ukraine gelegen. Von besonderer Wichtigkeit für deren Entstehung waren die harten Lebensbedingungen: Schwieriges, meist bewaldetes Berggelände, raues, kontinentales Klima, unterstandslose Aufzucht auf den Bergweiden selektierten diese Pferde und machten sie widerstandsfähig.

Oft gezwungen, sich in schwierigstem Gelände den Raubtieren wie Bären und Wölfen zu stellen, überlebten jene Pferde mit kurzem, kräftigem Hals und geringer Fluchttendenz. So ist ein kleines, kompaktes, mutiges, trittsicheres Pferd mit festen, harten Hufen entstanden. Es ist ein harmonisches, stämmiges, ansprechendes Kleinpferd mit ausgeglichenem Charakter.

Der Gesamteindruck vermittelt das Bild eines im Rechteck stehenden Pferdes mit großem Brustumfang und gut geschwungener Oberlinie.

Der Huzule, ein Nachfahre des Bergtarpan, ist ein nervenstarkes, instinktsicheres, ausdauerndes Gebirgspferd das auch für wenig geübte Reiter geeignet ist.

Ursprünglich ließen sich lange 3 Grundtypen deutlich voneinander unterscheiden:

Tarpantyp: Zeigt die ursprünglichen Merkmale des in den Waldgebieten der Karpaten vorgekommenen Bergtarpans.

Bystrzectyp: Entstand als Kreuzungsprodukt zwischen Bergtarpan und Konik.

Przewalskytyp: Ließ die Einkreuzung von Mongolen- und Tartarenpferden erkennen. Diese waren ein Relikt vergangener kriegerischer Auseinandersetzungen.

Auf Grund der ursprünglich verschiedenen Typen des Huzulenpferdes und der unterschiedlichen Selektionskriterien in den Zuchtländern, die sich aus dem Verwendungseinsatz ergeben haben, ist eine gesamtheitliche Beschreibung nur schwer möglich. Der verhältnismäßig große, meist edle Kopf hat eine breite, gerade Stirn mit großen, aufmerksam blickenden Augen und wachen Ohren. Der Hals ist je nach Typ entweder kurz auf breiter Basis oder länger und beweglicher. Der Widerrist ist verschieden stark ausgeprägt. Auch bei der kräftig bemuskelten Schulter kommt es auf den Typ an, ob sie steil oder schräg gelagert ist, was sich deutlich in der Gangmechanik auswirkt. Der Bewegungsablauf bei steiler Schulter gewährleistet außerordentliche Trittsicherheit mit allerdings weniger Raumgriff. Die schräger gestellte Schulter bringt eine flachere Aktion mit größerem Raumgriff, der für sportliche Bewerbe von Vorteil ist. Der lange, gut geschwungene Rücken geht über in die breite, steil abfallend gute Brust. Durch die eher kurz erscheinenden Gliedmaßen, wirkt der Huzule keinesfalls hochbeinig. Die Röhren und Unterarme bzw. Schenkel sind trocken mit starken Sehnen und breiten Gelenken.

Erwähnt wird das Huzulenpferd bereits in einem Fachbuch aus dem Jahr 1603.

1856 begann die planmäßige Zucht der Huzulenpferde, in der zur K.u.K. Zeit zu Österreich gehörenden Bukowina. Abseits jeder Zivilisation, im heutigen Rumänien gelegenen Gestüt Radautz.

Das raue, kontinentale Klima mit Temperaturen von - 35° C im Winter und bis zu + 36° im Sommer sowie die Niederschlagsmenge von jährlich 900 mm bildeten die harten äußeren Lebensbedingungen. Dazu kam fallweise Futtermangel durch Missernten und die in den Wäldern vorkommenden natürlichen Feinde.

1774 wurde zwecks Hebung der österreichischen Pferdezucht durch einen Erlass der Kaiserin Maria Theresia das Gestüt Luczyna mit den bis auf 1600 m gelegenen Hochweiden gegründet.

Die zähen, flinken und trittsicheren Gebirgspferde dienten bis 1918 der Österreichisch - Ungarischen Armee als Reit-, Zug- und Packtiere.

Nach dem 1. Weltkrieg wurden durch den Zerfall der Monarchie einige wenige Zuchtpferde der Luczyna zunächst nach Waldhof in Niederösterreich und nach Tirol ins Oberinntal in Privatpflege gegeben, gingen später jedoch in deren Besitz über. Einzelne Hengste waren im 1826 gegründeten Hengststallamt Stadl-Paura bei Lambach in Oberösterreich untergebracht. Züchterisch gingen sie für die Huzulenzucht leider vollständig verloren. Einige Deckhengste dienten anderen Kleinpferderassen zur Blutauffrischung. Die restlichen Zuchtpferde gingen später jedoch auf die Nachfolgestaaten Rumänien, Tschechoslowakei, Polen und Ungarn über.

1919 setzte der rumänische Staat in Luczyna die alte Huzulentradition wieder fort. Hier bewährte sich vor allem der vorzügliche Hengst "Goral", der 1905 in Zabie angekauft wurde.

In Österreich gab es diese Pferde bis zum Jahr 1930.

Vor allem im 2. Weltkrieg erlitt die Huzulenzucht empfindliche Verluste in den osteuropäischen Ländern.

Erst 1991, auf Anraten von Reg. Rat Ing. Franz Schröder kam man bei der Suche nach geeigneten Pferden einerseits für das von Univ. Prof. Dr. Schleger ausgearbeitete Öko-Projekt der "Biologischen Kreislauflandwirtschaft" im Moorbad Harbach, NÖ, andererseits für den Reitbetrieb im Robinson Club Ampflwang auf jene in der Vergangenheit in der Nachbarortschaft von Harbach - in Roßbruck lebenden Huzulenpferde. So kamen nach ca. 50 Jahren wieder Huzulenstuten und -hengste aus Polen, Tschechien, der Slowakei, später auch aus Rumänien und Ungarn nach Österreich. So begannen einige Züchter mit Importtieren als Basis, den Huzulen in Österreich heimisch zu machen.

Voraussetzung für die Eintragung ist der Nachweis der Reinrassigkeit über 5 Generationen. Im Mittelpunkt des Zuchtzieles steht ein Reitpferd für die ganze Familie mit sehr guter Geländegängigkeit, bester Eignung für den Fahrsport, Ausdauer, ansprechendem Temperament und gutem Charakter, das alle Voraussetzungen einerseits für Freizeitsport, wie Trekking und Fahren, andererseits für den Einsatz in der Landwirtschaft mitbringt.

Im Jahr 1994 wurde die internationale Dachorganisation HIF - Huzul - International - Federation gegründet.

Mitglieder sind: Polen, Rumänien, Ungarn, Tschechien, Slowakei und Österreich. Sie dient der notwendigen internationalen Zusammenarbeit zur Erhaltung der Rasse der Huzulenpferde.

Den in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ursprünglichen Stammhengste Stirbul, Miszka, Czeremosz, Taras und Corbu folgten nach der Jahrhundertwende jene 7 Hengste, die als die anerkannten Linienbegründer der heutigen Population gelten:

Goral, Gurgul, Hroby, Ousor, Pietrosu, Polan und Prislop.

Den Hengsten gegenüber stehen die 43 Begründerinnen der anerkannten Stutenfamilien. Da das Zuchtbuch geschlossen ist, kann sich daran nichts ändern.

In den Ursprungsländern gibt es derzeit ca. 800 über 5 Generationen reingezüchtete, registrierte Mutterstuten.

Das Huzulenpferd gehört auf Grund der weltweiten Bestandszahl von unter 2.000 reinrassigen Zuchttieren zu den hochgefährdeten Haustierrassen.

www.huzulenpferde-vom-brandenbergtal.com